2023

Zusamenfassung der Predigt zu Weihnachten von Msgr. Erwin Reichart 

Weihnachten, das Fest der Liebe inmitten einer Zeit von Krieg und Hass – ausgerechnet auch im Hl. Land.

Ist das nicht ein Paradox?

Ganz im Gegenteil: Weihnachten war wahrscheinlich schon lange nicht mehr so aktuell wie heuer!

Gott ist Mensch geworden, damit wir wie er lieben, um so das Böse zu überwinden.

Ein kleines Kind muss man einfach lieben!

Heiligkeit und Liebe ist das Gegenmittel gegen das Böse!

Es gibt Heilige, zu deren Kennzeichen das göttliche Kind gehört. Sie werden meist dargestellt, wie sie voller Liebe das Jesuskind auf dem Arm tragen. Lernen wir von ihnen!

  1. Maria und Josef – Liebe durch Vertrauen

Ihre Liebe zu Jesus zeigen sie vor allem in ihrem großen Vertrauen auf ihn.

Wenn man sie gefragt hätte, wo ist in all dem Leid dieser Welt Gott. Dann hätten sie wohl geantwortet: „Mitten drin!“ Der Herrscher dieser Welt war mitten im Leid der Armen, die in einem Stall ihr Kind zur Welt bringen mussten.

Maria vertraute sogar noch unter dem Kreuz felsenfest: Gott hat das letzte Wort und nicht das Böse! Auf den Karfreitag folgt Ostern!

Hl. Maria, hl. Josef erbittet uns dieses Vertrauen. Vertrauen ist Liebe!

  1. Christopherus – Liebe im ganz alltäglichen Tun

Alle kennen wir den hl. Christopherus, wie er das Jesuskind auf seinen Schultern trägt. Der Legende nach war im Dienst am Nächsten sehr frustriert, bis eines Tages Jesus in dem Nächsten erkannte, den er über den Fluss trug. Liebe bedeutet, ganz im Alltäglichen Gutes zu tun – das Alltägliche gut und mit Liebe zu machen – bis hin zum täglichen Gebet und der Sonntagsmesse.

  1. Antonius von Padua – Liebe im Gebet

Auch der hl. Antonius wird mit dem Jesuskind dargestellt. Nach dem Tod des Heiligen berichtete ein Zeuge unter Eid, dass er so eines nachts den Heiligen unbemerkt im liebevoll vertrauten Gespräch mit dem Jesuskind gesehen habe.

Wir zeigen Gott unsere Liebe, wenn wir uns für ihn Zeit nehmen und mit ihm Sprechen im liebevollen Gebet.

Der große deutsche Schriftsteller Reinhold Schneider sagte einmal: „Wir wissen nicht und werden es auf Erden nie erfahren, welcher Sieg des Gottesreiches auf der letzten Kirchenbank von einem nie beachteten Beter oder in einer Krankenstube gewonnen wird!“

Lernen wir von den Heiligen mit dem Jesuskind die Liebe, die allein das Böse überwinden kann!

Von Maria und Josef: Liebe ist Vertrauen,

vom hl. Christopherus: Liebe bedeutet, das ganz Alltägliche gut zu mache

und vom hl. Antonius: Liebe wächst aus dem gläubigen Gebet.      Amen!     

2022

Zusammenfassung der Predigt von Msgr. Erwin Reichart beim Pilgeramt an Weihnachten 2022 

Im Wallfahrtskalender steht ein Weihnachtswunsch, den ich auch Ihnen und mir zusprechen will: „Nicht, dass von jedem Leid verschont Du mögest bleiben… Mein Wunsch für Dich ist vielmehr dieser: Dass Du Dank IHM (Christus) den Stürmen standhälst… und dass in Freud und Leid das Lächeln voller Huld des menschgewordenen Gottessohnes mit Dir sei…!“

Der Herr erfüllt uns diesen Wunsch! Schauen wir an einigen Beispielen an, wie wahr das ist!

1. Die Hirten und Josef und Maria

Schauen wir gleich auf die Hirten und Maria und Josef!

Der Erlöser war da, aber er schuf noch nicht gleich himmlische Zustände – nicht den Himmel auf Erden! Die Hirten gingen wieder in den grauen Alltag zurück. Ihre Armut blieb.

Aber „sie priesen Gott“, d. h. sie waren voller Freude, hatten Kraft und Auftrieb!

Sie konnten „den Stürmen“ des Lebens standhalten – genauso wie Maria und Josef. Schauen wir nur unser Vesperbild an!

Das ist 2000 Jahre her! Ist das nicht alles doch eher frommes Wunschdenken?

2. KZ Dachau, seliger Karl Leisner

Schauen wir auf eine extreme Situation, wo es wirklich zum Test kam – ins KZ Dachau in der Hitlerzeit. Ein KZ-Häftling hat nach seiner Befreiung ein Buch geschrieben „Christus in Dachau“. In ihm zeigt er, wie in der Hölle von Dachau Christus da war!

Im KZ Dachau waren unter anderen über 2500 katholische Priester inhaftiert, weil sie sich mutig gegen das Nazi-Regime gestellt hatten. Sie wurden oft besonders schikaniert v. a. an den christlichen Hochfesten. Bis Ende 1940 war ihnen jede religiöse Äußerung untersagt. Nur heimlich und leise konnten sie an Weihnachten das Lied „Stille Nacht“ singen. Christus gab ihnen Kraft, in diesen Stürmen auszuhalten!

Schließlich geschah das „Wunder von Dachau“: 1940 durften sie in einer Baracke eine Kapelle einrichten und 1941 zum ersten Mal Weihnachten mit einer hl. Messe feiern. Der inzwischen selig gesprochene Karl Leisner war Diakon und sang das Evangelium. „Das Lächeln des menschgewordenen Gottessohnes“ berührte sie tief in ihrem Herzen! Karl Leisners größter Wunsch war, Priester zu werden – aber das war aussichtslos!

Ein Wunder geschah: 1944 wurde ein französischer Bischof ins KZ eingeliefert. Auf Weihnachten am 17. 12. 1944 weihte er heimlich Karl Leisner zum Priester. Über 1000 Priester feierten mit – Kopf an Kopf, alle kahlgeschoren in ihrer Häftlingskleidung. Viele weinten vor Freude. Am Fest des ersten Märtyrers der Kirche – des hl. Stefanus – feierte Karl Leisner in der Lagerkapelle seine Primiz. Er war von den schlimmen Haftbedingungen schwer gezeichnet und dem Tode nahe – aber überglücklich. „Das Lächeln des menschgewordenen Gottessohnes“ erfüllte alle!

Nach der Befreiung lebte er nur noch wenige Monate. Christus gab ihm die Kraft, denen zu vergeben, die sein junges Leben zugrunde gerichtet haben. Sein letzter Eintrag in seinem Tagebuch lautet: „Segne auch, Höchster, meine Feinde!“

3. Unser Leben

Angesichts dieser Zeiten werden unsere heutigen Probleme ganz klein. Viele unterliegen

heute dem Irrtum, dass sie „die Stürme des Lebens“ ohne Christus bewältigen können. „Das Lächeln des menschgewordenen Gottessohnes“, das die Kirche vermittelt, brauchen sie scheinbar nicht und treten aus der Kirche aus. Die Kirche ist unsere Mutter, die uns den Schatz des Glaubens und der Sakramente vermittelt. Wie kann man eine so wunderbare Mutter verachten, weil ein kleiner Teil ihrer Söhne sich schwer versündigt hat? Sie hat auch die genannten über 2500 tapferen Priester mit dem seligen Karl Leisner hervorgebracht!

Ohne Christus werden wir den kommenden „Stürmen des Lebens“ nicht standhalten. Wir brauchen „das Lächeln des menschgewordenen Gottessohnes“!

Und diesen Weihnachtswunsch wird er auch uns erfüllen!

Amen!  

2021

Maria Vesperbild, Weihnachtspredigt von Msgr. Erwin Reichart, Wallfahrtsdirektor

Kurzfassung:

Weihnachten ist das Fest des Friedens und der Versöhnung. Darum müssen uns Christen die friedenstiftenden Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe auszeichnen.

Je mehr die Gesellschaft entchristlicht wird, desto mehr wird der Unterschied zwischen einer rein weltlichen Einstellung zur christlichen Lebensauffassung deutlich.

Unser Schatz ist Glaube, Hoffnung und Liebe!

Lothar Zenetti sagte einmal: „Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter! Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht!“

Wir Christen brauchen nie hoffnungslos sein, weil Gott den Seinen immer alles zum Guten lenken wird. Nicht einmal der Tod ist für uns das Ende, sondern der Durchgang zum ewigen Glück!

Aus der christlichen Nächstenliebe sehen wir z. B. die Behinderten und unheilbar Kranken nicht als unnütz und lästig an, sondern als Menschen mit hoher Würde. Denken wir nur an die vielen sozialen Einrichtunen wie z. B. Ursberg, die die Kirche aus christlicher Nächstenliebe hervorgebracht hat.

Wenn wir aus dem Glauben leben, handeln wir auch im Umgang mit Menschen, die wir nicht mögen oder, die Fehler gemacht haben in einem ganz anderen Licht.

Kardinal Wölki aus Köln wird immer wieder wegen wirklicher oder angeblicher Versäumnisse in Missbrauchsfällen angegriffen. Wir haben ihn zum 15. August eingeladen – nicht um zu provozieren! Denn diese Einladung geschah längst vor diesen Vorwürfen. Er bereut seine Fehler und bat um Verzeihung! Führende Missbrauchsopfer verteidigen ihn.

In der Logik des weltlichen Denkens ist Unversöhnlichkeit, andere Niedermachen, nach den Fehlern anderer forschen, den Missbrauch zu missbrauchen, um „konservative“ Bischöfe abzusägen und eine andere Kirche zu schaffen – ganz logisch!

Unsere Logik ist aber ein ganz andere, weil wir alles im Licht unseres Herrn Jesus Christus sehen: Versöhnungsbereitschaft, dem anderen eine neue Chance geben, verzeihen, das Wort Jesu ernst nehmen: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“ „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!“

Ist das nicht herrlich? Wollen wir nicht alle in einer Welt von Glaube, Hoffnung und Liebe leben? Sind wir nicht auch froh, wenn uns verziehen wird, wenn wir eine neue Chance bekommen, wenn uns geholfen wird, wenn wir krank und behindert werden sollten?

2020

Predigt von Wallfahrtsdirektor Msgr. Erwin Reichart in Maria Vesperbild am 25. 12. 2020

Zusammenfassung

In unserer modernen Gesellschaft herrscht die Stimmung vor: Auf Gottes Hilfe und Allmacht zu vertrauen ist naiv.

Das hat sich auch in Corona-Zeiten nicht geändert! Wenn jemand sagen würde, dass da jetzt auch Gott zu Hilfe gerufen werden muss, dann berührt das viele eher peinlich oder erregt ungläubiges Staunen!

Aber das ist kein modernes Problem sondern ein uralter Hut. Es sind die neu aufgewärmten Ideen der radikalen Aufklärer vor 250 Jahren, die da wieder herumgeistern: Einen Weltenschöpfer mag es schon geben aber dieser greift nicht in unser Schicksal ein. Wir sind allein auf unsere eigene Kraft angewiesen.

Weihnachten lehrt uns genau das Gegenteil: Gott nimmt Anteil an unserem Schicksal. Er greift in diese unheilvolle Welt ein und wird Mensch, um uns zu erlösen! Gott will, dass wir uns helfen lassen! Und so sollen wir mit den Hirten zur Krippe gehen und seine Allmacht in Anspruch nehmen.

Wenn Gott Mensch geworden ist, warum soll er uns dann nicht auch gegen Corona helfen?

Vielleicht wäre der Virus längst besiegt, wenn die Menschen sich jetzt bekehren würden, wenn sie mehr beten würden und statt Demonstrationen Prozessionen machen würden!

Sind die ungezählten Berichte aus früheren viel schrecklicheren Pandemien wirklich alles Märchen, wo Gebetsstürme und Gelübde z. B. die Pest plötzlich abflauen ließen. Die Ziemetshausener wallfahren deswegen noch bis heute zum Dank jedes Jahr bis nach Ettal! Und was ist z. B. mit dem Passionsspielgelübde in Oberammergau, das bis heute erfüllt wird, weil sie erhört wurden.

Auch Politiker sollten sehen, dass die Kirche im Kampf gegen die Corona-Pandemie äußerst relevant ist. Was nicht heißt, dass wir Menschen nicht alles menschenmögliche beitragen müssen. 

2019

Weihnachtspredigt von Msgr. Reichart, Wallfahrtsdirektor

Im Weihnachtsevangelium haben wir über Jesus gehört: „Und das Licht leuchtet in der Finsternis!… Er war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht“

Das 3. Reich, die Herrschaft Adolf Hitlers, war wahrlich eine dunkle Zeit – eine antichristliche Zeit, aber viele waren total verblendet!

Der bedeutende Dichter und Schriftsteller Georg Thurmeier war durch die katholische Jugendarbeit tief geprägt und durchschaute daher von Anfang an die Naziideologie.

Schon zu Beginn des Dritten Reiches 1935, als es in Deutschland mächtig aufwärts ging und viele optimistisch in die Zukunft blickten, dichtete er folgendes Kirchenlied:

 

„Der Satan löscht die Lichter aus

und lässt die Welt erblinden. –

Wir suchen einen Weg nach Haus

und können ihn nicht finden.

O Heiland komm, o komm geschwind!

Du bist den Schiffen Weg und Wind,

du lässt uns heimwärts finden.

 

Die Menschen treiben arge List

und sinnen viele Lügen. –

Wir suchen den, der Wahrheit ist,

uns seinem Wort zu fügen.

O Heiland, komm, o komm herzu!

Du bist die Wahrheit und die Ruh,

du lässt uns nicht betrügen.“

 

Auch heute ist Weihnachten ein Fest, in dem das Licht in der Finsternis leuchtet!

So viele Kriege, so viel Elend und Leid, so viel Zerstörung der Schöpfung, so viel Dekadenz und Laster, so viel Glaubensabfall, so viel Verwirrung, so viel Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit gegenüber Gott usw.

Sollen wir darüber klagen?

Ein Kalenderspruch lautet: „Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen!“

Genau das hat Gott an Weihnachten getan!

Er klagte nicht: Schau an, wie schlecht die Menschen sind. Sie hören auf Satan mehr als auf mich! Ich mag diese  Menschen nicht mehr!  Sie missbrauchen ihre Freiheit für das Böse! Ich überlasse sie nun der Finsternis, die sie selbst verursachen.

Nein!

Gott ist sogar in diese dunkle Welt herabgekommen und ist Mensch geworden! Hören wir  noch einmal die Worte des Weihnachtsevangleliums„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt!“  „Und das Licht leuchtet in der Finsternis!“

Als der Engel den Hirten erschien, heißt es im Evangelium der hl. Nacht: „ Der Glanz des Herrn umstrahlte sie!“

Ist das nicht wunderbar: Gott hat ein gewaltiges Licht angezündet! Er ist nicht mehr weit weg von uns. Das Weihnachtsevangelium drückt das so aus: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!“

Das heißt: Auch wenn es noch so dunkel wird in unserem Leben oder um uns herum: Wir haben das „wahre Licht“. Der Sieg ist unser! Denn wir sind auf der Seite des Siegers!

Es ist eine Tragik in der ganzen Menschheitsgeschichte, angefangen von König Herodes und den Schriftgelehrten über das Dritte Reich bis heute. Das Weihnachtsevangelium drückt das so aus:

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf!“

Aber nie waren alle erblindet: Es waren gerade immer wieder die Christen, die mit Jesus, dem Licht der Welt, an der Seite das Dunkel überwunden haben: Nach dem Dritten Reich die großen christlichen Politiker Adenauer, der  Franzose  Schuhman, der Italiener  de Gasperi und viele andere.

Bei der Überwindung des gottlosen Kommunismus bei der Wende 1989 der hl. Papst Johannes Paul II., das tief gläubige polnische Volk die Beter in den Kirchen der DDR, die Beter im Sinne von Fatima usw.

Gott braucht uns wieder!

Im Weihnachtsevangelium wird uns verheißen: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht Kinder Gottes zu werden!“

Macht! Die Macht der Kinder Gottes haben wir seit der Taufe in uns!

Dass das keine leeren Versprechungen sind, hat allein die jüngste Geschichte beweisen!

Es ist die Macht unseres Gebetes, die Macht der Mitfeier der hl. Messe, die Macht der aufgeopferten Leiden! Es die Macht des Erlösungsopfers Christi, das uns sogar Macht über den Tod gibt!

Georg Thurmeier hat an diese Macht 1935 geglaubt und ist nicht enttäuscht worden. Nach 10 Jahren war der Spuk vorüber:

Hören wir sein wieder aktuelles Kirchenlied noch einmal an:

 

„Der Satan löscht die Lichter aus

und lässt die Welt erblinden. –

Wir suchen einen Weg nach Haus

und können ihn nicht finden.

O Heiland komm, o komm geschwind!

Du bist den Schiffen Weg und Wind,

du lässt uns heimwärts finden.

 

Die Menschen treiben arge List

und sinnen viele Lügen. –

Wir suchen den, der Wahrheit ist,

uns seinem Wort zu fügen.

O Heiland, komm, o komm herzu!

Du bist die Wahrheit und die Ruh,

du lässt uns nicht betrügen.“                     Amen

2018

Weihnachtspredigt von Wallfahrtsdirektor Erwin Reichart am 25. 12. 2018 

In jeder Krippe stehen zwei Tiere: Ochs und Esel!

Im Evangelium ist aber von keinem Ochs und von keinem Esel die Rede!

Man sagt, dass die erste Krippe der hl. Franz von Assisi um 1150 aufgebaut habe. Schon da stand ein Ochs und ein Esel an der Krippe des göttlichen Kindes.

Aber schon 100 Jahre früher ist im Melker Marienlied von einem Ochs und einem Esel die Rede!

Wie kommt man darauf?

Was hat das für einen Sinn?

Da steckt tatsächlich eine tiefe Weisheit – eine große Weihnachtsbotschaft dahinter

 

1. ein ganz nahe liegender Grund

Der Esel war damals im Hl. Land ein ganz wichtiges Last- und Reittier – gerade auch, weil es dort viel unwegsames bergiges Gelände gibt.

Josef und seine hochschwangere Braut Maria mussten ungefähr 100 Kilometer über bergiges Gebiet reisen, und da ist es  sehr wahrscheinlich, dass Maria auf einem Esel saß.

Der Ochs war damals das Arbeitstier Nummer eins. Er hat die schweren Wagen gezogen und mit seiner Hilfe wurden die Felder bestellt.

Im Evangelium ist die Rede, dass sie das Kind in eine Krippe legten, d. h. die Geburt war in einem Stall und da ist es natürlich naheliegend, dass dort auch Tiere waren und zwar die beiden wichtigsten: Ochs und Esel.

Ein etwas tiefer liegender Grund ist es nun, dass diese beiden Tiere alle übrigen Tiere repräsentieren.

Das heißt: Alle Tiere, ja die ganze Schöpfung nimmt Anteil an dem großen Ereignis, das an Weihnachten passiert ist: „Christ der Retter ist!“

Sie geben ihrem Schöpfer die Ehre! Auch die oft so leidenden Tiere sehnen sich nach der Erlösung.

Der hl. Paulus schreibt doch, dass die ganze Schöpfung seufzt und wie in Geburtswehen liegt und sich nach Erlösung sehnt.

 

2. Ein tieferer theologischer Grund

Ochs und Esel haben aber noch einen viel tieferen Sinn!

Beide Tiere gelten doch bei uns Menschen als besonders dumm! Ganz hochmütig verachten die Menschen diese Tiere. Und wenn ein Mitmensch irgend etwas falsch gemacht hat, dann sagen wir Menschen vielleicht sogar zu dem: „Du Ochs!“ oder „Du Esel“!

Und ausgerechnet diese „dummen“ Tiere stehen an der Krippe – ganz nahe am Erlöser – während die gescheiten Schriftgelehrten oder geschäftigen Gastwirte oder der machtbesessene König Herodes nicht einmal Notiz von der Geburt des Erlösers nehmen.

Was bedeutet das?

Der Schlüssel für die Erklärung liegt im Alten Testament beim Propheten Jesaja. Er lebte 700 Jahre vor der Geburt Christi.

In einer Vision hörte er die Stimme Gottes, die sprach: „Hört, ihr Himmel, horch auf, du Erde! Denn Jahwe spricht: Söhne habe ich aufgezogen und groß gemacht. Sie aber sind mir untreu geworden! – Das Rind kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn. Israel erkennt nicht! Mein Volk hat keine Einsicht!“

Das heißt: Viele Menschen sind viel dümmer als Ochs und Esel. Der Ochse erkennt seinen Herrn! Er gehorcht ihm. Er lässt sich von ihm führen! Der Esel erkennt die Krippe seines Herrn! Er weiß, wo er Nahrung für sein Leben bekommt. Er weiß, wem er sein Leben zu verdanken hat, aber der Mensch?

Er erkennt oft seinen Herrn und Gott nicht, folgt ihm nicht, will nicht wissen, wem er alles zu verdanken hat, wo er wahre Nahrung für sein Leben bekommt usw.

Wenn also Ochs und Esel an der Krippe stehen, dann wird uns immer ein Spiegel vor Augen gehalten: Schau Dich an! Bist Du wenigstens so gescheit wie Ochs und Esel? Erkennst Du Gott als Deinen Herrn? Weißt Du, dass Du ihm alles zu verdanken hast? Glaubst Du, dass er Dich jetzt hier in der hl. Messe an der Krippe des Altares nährt für das ewige Leben?

Komm wie Ochs und Esel zur Krippe und bete Deinen Herrn an! Sei nicht so dumm, wie König Herodes oder die Schriftgelehrten!

Im Grund sind Ochs und Esel an der Krippe eine Kritik an den hochmütigen Gescheiten, Wohlhabenden und Mächtigen.

 

3. eine Anwendung für uns

Nun ist gescheit und gelehrt sein an sich nichts Schlechtes – ebenso ist Geld haben oder Macht ausüben an sich keine Sünde.

Was ist die Dummheit dabei? Was macht uns denn in den Augen Gottes dümmer als Ochs und Esel?

Die Schriftgelehrten, Gastwirte von Betlehem und König Herodes wussten zwar viel, waren wohlhabend und hatten Macht über andere Menschen aber es fehlte ihnen eines: Sie erkannten den Herrn nicht wirklich als ihren Herrn an! Sie verehrten Gott nicht wirklich! Gott spielte in ihrem konkreten Leben eigentlich keine Rolle. Sie waren sich selbst der Höchste – und das ist die größte Dummheit, die man machen kann!

Das ist eine Versuchung für jeden von uns!

z.B., dass man denkt, nicht Gott macht mich glücklich sondern das Materielle. Man rafft und schafft und will immer noch mehr haben – und wie viele Unglückliche gibt es gerade unter uns Wohlstandsmenschen?

Wenn ich manchmal im Kloster der Klarissinnen von Maria Vesperbild die hl. Messe feiere, dann ist es allein schon eine Belohnung zu sehen, wie diese Schwestern, die total arm leben, so strahlen und so glücklich aussehen. 

Oder wie leicht nehmen wir uns allzu wichtig, als ob es ohne uns nicht gehe. Schon morgen können wir armselig und erbärmlich daliegen und tot sein. Diese Welt wird mich bald vergessen haben! Bei Gott aber habe ich eine wirkliche ewige Bedeutung. Er will mir ewiges Leben schenken. Streben wir danach!

Oder denken wir an die Versuchung: Die Gebote halten oder die Opferbereitschaft ist eine Dummheit -. wenn ich Gott folge, verdirbt das mir das nur den Spaß.

Wieviel Unglück bringt eine solche Haltung in die Welt!

Und wie frustriert werden doch solche Menschen?

Haben Sie schon einmal einen wirklich glücklichen Genussmenschen kennen gelernt?

Ich nicht! Aber ich habe schon viele glückliche opferbereite Menschen erlebt!

Man könnte noch viele Beispiele anführen!

Schauen wir Ochs und Esel in der Krippe an!

Wir haben uns gefragt, welche Bedeutung diese Tiere an der Krippe haben. Der tiefere Grund steht schon beim Propheten Jesaja:

Wir sollen nicht dümmer als Ochs und Esel sein!

So wollen wir neu unseren Herrn und Erlöser erkennen und anerkennen: ihn anbeten und zwar gleich jetzt.  

Denn es ist die größte Dummheit, das Heil und das Glück von dieser Welt zu erwarten!

„Christ der Retter ist da!“ Er wird uns sogar ewiges Glück schenken!

Amen!