Msgr. Reichart: Priesterinnen in der Katholischen Kirche?

Die Forderung will im deutschen Sprachraum nicht verstummen: Warum sollen Frauen nicht endlich zu Priestern geweiht werden können!

Es wird als rückschrittlich, ungerecht, ja sogar als frauenfeindlich empfunden und dargestellt.

Viele hofften auf den als fortschrittlich geltenden Papst Franziskus. Doch der hält die Priesterweihe von Frauen für ausgeschlossen.

Jüngst hat ihn die Generaloberin der Oberzeller Schwester Dr. Katharina Ganz mit der Forderung der Weihe von Frauen konfrontiert. Geradezu schroff antwortete der Papst: „Wir sind Katholiken, aber wenn eine von Ihnen eine andere Kirche gründen will, steht es Ihnen frei zu gehen!“

Damit wird schon klar: Es geht bei dieser Frage nicht einfach um konservativ und progressiv, um altmodisch oder modern, um verknöchert sein oder Offenheit, sondern es geht um wahr oder falsch! Es geht sogar darum, wie der Papst sagt: Ob wir katholisch bleiben oder eine andere Kirche nach unserem Geschmack basteln wollen!

Warum ist das so eine fundamentale Frage?

Die Kirche und die Glaubensinhalte stehen nicht zu unserer Verfügung, sondern sie sind uns von Christus übergeben worden und wir haben allein die Aufgabe, diesen Glauben zu bewahren und weiter zugeben. “. Der Apostel Paulus schreibt mehrmals, dass er das und das lehrt, was auch er empfangen hat.

Mehr Macht haben auch wir nicht. Nicht einmal der Papst. Nicht einmal er hat die Vollmacht, Glaubensinhalte zu ändern. Würde er es tun, wäre er automatisch exkommuniziert und abgesetzt. Das Wort Bischof kommt von episcopus, d. h. Wächter. Es ist die wesentliche Aufgabe eines jeden Bischofs, darüber zu wachen, dass der Glaube rein bewahrt und überliefert wird. Welche fundamentale Bedeutung die Bewahrung des Glaubens hat, ist in den letzten Jahrzehnten völlig aus dem Blick geraten.

Wie viele Märtyrer hat die Kirche, die für die Reinerhaltung des Glaubens gestorben sind! Die ganze Kirchengeschichte ist eine einzige Kette von Auseinandersetzungen um die Bewahrung der rechten Überlieferung des Glaubens.

Der Zeitgeist suggeriert uns aber heute, dass es geradezu fortschrittlich ist, keine feste Glaubensüberzeugung zu haben. Papst Benedikt sprach sogar von der „Diktatur des Relativismus“. Alles es gleich gültig für viele Zeitgenossen. Die Welt und damit die verweltlichten Christen können daher überhaupt nicht verstehen, warum man den Glauben auch im Hinblick auf die Weihe von Frauen nicht dem Zeitgeschmack anpasst.

Aber die Weitergabe des wahren Glaubens ist wesentlich für uns Christen: Wir sind nicht Herren des Glaubens sondern Diener.

Man nennt diese Glaubensüberlieferung „Tradition“.

Die Tradition ist wesentliche Glaubensquelle. Schrift und Tradition sind die beiden Quellen, aus denen wir den Glauben schöpfen, wobei man sagen muss, dass die Bibel selbst nichts anderes ist als die schriftlich niedergelegte Tradition jener Zeit.

Nun die Hl. Schrift und die gesamte Tradition kennen keine Priesterweihe der Frau. Die Weihe einer Frau war immer in der ganzen 2000jährigen Kirchengeschichte  unumstritten nicht nur nicht erlaubt sondern ungültig! Das Traditionsargument ist wesentlich für die Diskussion. Aber dieses Argument wird fast gar nicht berücksichtigt.

Warum?

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Weil sich die moderne Gesellschaft mit der Respektierung von alten Traditionen überhaupt schwer tut und die Kirche daher auch mit rein weltlichen Maßstäben beurteilt wird. Viele haben keine Ahnung von Theologie und damit von der Bedeutung der Glaubenstradition in der Kirche, meinen aber in der Kirche trotzdem voll mitreden zu können. Würde das Gleiche sich einer in der Medizin oder sonst einer Wissenschaft getrauen?

Tradition ist nichts Totes – nicht so etwas wie der Trachtenverein, der streng an einer Tracht festhält. Tradition im katholischen Sinn ist etwas Lebendiges – ein Fortschreiten, ein Vertiefen, ein immer tieferes Erkennen der Glaubenswahrheiten.

Jesus hat der Kirche den Hl. Geist verheißen und versprochen, dass der „Geist die Kirche in die volle Wahrheit einführen wird“. Ein gutes Beispiel für die Vertiefung einer Glaubenswahrheit ist das immer tiefere Erkennen der Eucharistie. Die Apostel verehrten sicher noch nicht in der Weise die hl. Kommunion  wie wir heute in der Anbetung des Allerheiligsten in der Monstranz.

Jede Zeit wirft neue Fragen auf, die nun im Lichte der Glaubensüberlieferung beantwortet werden müssen. Das führt zu einer ständigen Weiterentwicklung des Glaubens.

Denken wir an den Bilderstreit im 8. Jahrhundert oder an die Ablehnung der Autorität der Kirche durch Luther usw. Im Blick auf die Hl. Schrift und die Tradition rang die Kirche um die richtige Antwort, die dann das 2. Konzil von Nizäa bzw. das Konzil von Trient geführt vom Hl. Geist im Blick auf Hl. Schrift und Tradition unfehlbar gegeben hat.

Glaubenstradition ist ein organisches Wachsen niemals ein Bruch oder ein Gegensatz zum bisher Gelehrten. Papst Benedikt XVI. erklärte in seiner Generalaudienz am 26. 4. 2006: „Tradition ist die organische Kontinuität der Kirche“.  

Die Tradition hat ein solches Gewicht, dass selbst der mit Unfehlbarkeit ausgestattete Papst  an die Glaubensüberlieferung gebunden ist.

Der hl. Papst Johannes Paul II. erklärte daher in seinem apostolischem Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ 1995, dass die Kirche „keinerlei Vollmacht“ hat, Frauen zu Priestern zu weihen und dass sich alle „endgültig“ an diese Entscheidung zu halten haben.

Um jeden Zweifel auszuschließen ordnete der Papst am 28. 10. 1995 an, dass die Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht, dass die Unmöglichkeit der Priesterweihe von Frauen zum Glaubensgut der Kirche gehört. „Diese Lehre fordert eine endgültige Zustimmung, weil sie, auf dem geschriebenen Wort Gottes  gegründet und in der Überlieferung der Kirche von Anfang an beständig bewahrt und angewandt, vom ordentliche Lehramt unfehlbar vorgetragen worden ist (vgl. 2. Vat. Konzil, Lumen gentium, 25,2).“

Die Weihe von Frauen wäre damit ein Bruch mit der Glaubenstradition und daher ein häretischer Akt. Eine solche Kirche wäre nicht mehr katholisch, weil sie im Gegensatz zu Schrift und Tradition stünde.

Aber wagen wir es nun, uns unter die Zweifler zu mischen!

Vielleicht hat sich die Kirche in dieser Glaubenstradition doch geirrt?

Dass Jesus nur Männer zu Aposteln berufen hat, ist doch nur zeitbedingt. Heute würde er Frauen zu Aposteln berufen!

Nun es gab in der Antike zur Zeit Jesu massenhaft Priesterinnen in den heidnischen Religionen, so dass es für Jesus ein Leichtes gewesen wäre, Priesterinnen zu berufen. Jesus

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hat auf seine jüdische Umwelt keine Rücksicht genommen, wenn es ihm um die Wahrheit ging: Er heilte am Sabbat. Er gab sich öffentlich mit Frauen ab und rief sie in seine Nachfolge usw.

Was hat das wohl für einen Grund, dass Jesus nur Männer zu Aposteln machte?

Weil er ein Mann ist und weil logischer Weise nur Männer einen Mann darstellen können. Der Priester handelt z. B. in der hl. Messe „in persona Christi“. Der Priester leiht sozusagen Jesus seine Stimme, seine Hände, sich selbst.

Der Regensburger Bischof und Theologieprofessor Rudolf Voderholzer erklärte auf dem Kongress „Freude am Glauben“  heuer in Ingolstadt noch einen weiteren Aspekt: „Die Zuordnung des Weihesakramentes zum männlichen Geschlecht beruht auf dieser … natürlichen Zeichenhaftigkeit. Der Priester repräsentiert in seiner ganzen Person Christus als Bräutigam der Kirche“  Dieser Gedanke, dass Jesus der Bräutigam der Kirche ist, spielt im Neuen Testament eine wichtige Rolle!

Weiter sagte der Bischof: „Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen, als Stammvater des neuen Israel, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult.“

Der Priester weist also auf männliche Vorbilder hin, die er zu repräsentieren hat: Jesus, Bräutigam, Stammvater etc.

Mann und Frau haben die gleiche Würde und sind dennoch von Gott verschieden geschaffen. Das ist grundlegend für die christliche Sicht des Menschen. Die moderne Gleichmacherei ist dem Christentum fremd. Sie kommt aus dem sozialistisch kommunistischen Denken.

Im Kirchenrecht heißt es in Can. 208 §1 CIC: Unter allen Gläubigen besteht, und zwar aufgrund ihrer Wiedergeburt in Christus, eine wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit, kraft der alle je nach ihrer eigenen Stellung und Aufgabe am Aufbau des Leibes Christi mitwirken.“

Der Kirchenrechtler und Sekretär des Päpstlichen Rates für die Interpretation der Gesetzestexte Markus Graulich schreibt dazu: „In der Glaubensgemeinschaft der Kirche sind Kleriker und Laien daher nicht Angehörige zweier Klassen, sondern haben kraft der gemeinsamen Taufe an der Sendung der Kirche teil und sind einander zugeordnet, wie es das II. Vatikanische Konzil sagt: `Der Amtspriester nämlich bildet kraft seiner heiligen Gewalt, die er innehat, das priesterliche Volk heran und leitet es; er vollzieht in der Person Christi das eucharistische Opfer und bringt es im Namen des ganzen Volkes Gott dar; die Gläubigen hingegen wirken kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mit und üben ihr Priestertum aus im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätiger Liebe´ (LG 10).“ (Markus Graulich, Kirchenfremdes Klassendenken, in: DT, 6. 6. 2019, S. 37)

Eine große Frau, die hl. Mutter Theresa von Kalkutta äußerte sich schon 1983 entschieden gegen die Priesterweihe der Frau. „Dieses Bestreben hat den Frieden und die Freude mit

Christus und seiner Kirche vereint zu sein, gestört.“

Das gilt bis heute! Der Unfriede ist keine Frucht des Hl. Geistes sondern des Ungeistes!

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Warum haben dann die protestantischen Kirchen Pfarrerinnen etc.?

Sie haben sich lange auf Grund des Befundes der Hl. Schrift dagegen gewehrt und die lettische Kirche hat erst jüngst auf Grund der Hl. Schrift die Pfarrerinnen wieder abgeschafft.

Tausende anglikanische Christen sind samt ihren Pfarrern zur katholischen Kirche übergetreten, weil sie in Treue zum Glauben diesen Weg nicht mitmachen konnten. Ganze Landeskirchen haben sich von der anglikanischen Kirche wegen der Priesterweihe der Frau abgespalten.

Übrigens haben es viele protestantische Kirchen leicht, Pfarrerinnen einzuführen, weil sie gar keine Priesterweihe haben. Die lutherischen Pfarrerinnen sind keine Priesterinnen und wollen das auch gar nicht sein.  Die lutherischen Pfarrerinnen sind Laien wie jeder andere. Also kann man diese überhaupt nicht mit unseren Priestern vergleichen oder als Beispiel anführen.

Selbst der als sehr liberal geltende Kardinal Kasper betonte in der „Frankfurter Rundschau“ vor einigen Wochen die Unmöglichkeit der Priesterweihe von Frauen. Es gäbe dafür „auf der Grundlage des Neuen Testamentes eine ununterbrochene Tradition nicht nur in der katholischen Kirche, sondern in allen Kirchen des ersten Jahrtausends.“

Die in den 80ger Jahren sehr bekannte russische Philosophin Tatjana Goritschewa erklärte 1987 in einem Interview mit der „Tagespost“: „Ich glaube, hier (in Deutschland) gibt es ein großes Durcheinander zwischen dem Soziologischen und dem Geistlichen. Betrachtet man die Kirche unter soziologischen Gesichtspunkten, dann kann die Frage des Priestertums der Frau aufkommen. Aufgabe, Sendung und Figur des Priesters werden dann auf soziologischer Ebene verstanden und interpretiert. Auf spiritueller Ebene ist das alles absurd. Geistig betrachtet sind in der Kirche alle gleich, aber ein jeder hat seine Aufgaben“ (DT 15. 10. 1987, S. 6).

Ich glaube, sie trifft den Nagel auf den Kopf. Letztlich ist das Ganze ein Problem der Verweltlichung der Kirche!

Es muss endlich auf allen Ebenen die von Papst Benedikt XVI.  in seiner berühmten Freiburger Rede geforderte Entweltlichung der Kirche angegangen werden. Das wäre die Hauptaufgabe des von der Bischofskonferenz geplanten „Synodalen Weges“.

Dann lösen sich viele Probleme – auch die Frage der Priesterweihe der Frau –  wie von selbst. d��yN

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