Glaube und Wissen

Wie sieht Dein Sonntag aus?

„So spricht der Herr: Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, Dein Gott, zur Pflicht gemacht hat“, so hören wir es diesen Sonntag in der ersten Lesung der hl. Messe.
Der Priester oder der Lektor sagen danach das gewichtige Wort: „Wort des lebendigen Gottes!“ und wir antworten dann: „Dank sei Gott dem Herrn!“
Was Gott der Herr sagt und was wir dankbar bekräftigen, kann für uns nicht Schall und Rauch sein!

Der Sabbat ist für uns Christen seit biblischen Zeiten der Sonntag. Denn an einem Sonntag hat Jesus Christus das Größte und Höchste für uns getan. Er ist auferstanden und hat den Tod für uns besiegt und uns den Weg zum ewigen Leben eröffnet. Der Sonntag ist der Tag der Neuschöpfung – der Vollendung des Lebens und der ganzen Welt. Ein Stückchen Himmel auf Erden!

Das muss groß gefeiert werden! Denn jeder Sonntag ist ein Osterfest!
Uns Christen muss man daher anmerken, dass Sonntag ist.
Das geht schon damit an, dass wir uns am Sonntag schöner anziehen, und dass wir uns am Sonntag ein besseres Essen gönnen!

Dann muss der Sonntag „ein Ruhetag sein, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun“.
Als ich noch Student war, da habe ich auch am Sonntag auf die Prüfungen gelernt, bis mir einmal ein Freund sagte: „Auf die Prüfungen lernen ist auch Arbeit!“ Ich war bis dahin noch ganz von der früheren bäuerlichen Ansicht geprägt, dass nur schwere körperliche Arbeit eine wirkliche Arbeit sei und daher leichte und geistige Arbeiten nicht mit dem sonntäglichen Ruhegebot gemeint seien.
Ich habe ab da das Lernen am Sonntag sein gelassen, aber anfangs schon ein bisschen Sorge gehabt, ob das nicht dem Prüfungsergebnis schadet. Doch der Freund hat mich gleich bestärkt, dass die Einhaltung der Sonntagsruhe niemals Nachtteile sondern nur Segen bringen kann. Und so ist es auch immer gewesen!
Wie schön war und ist es allein, wenn man am Sonntag guten Gewissens einfach einmal nichts tun braucht – wenn man Zeit hat für seine Familie und liebe Freunde, für Hobbys und Vergnügungen.

Und als Höhepunkt muss der Sonntag für uns der Tag der hl. Messe sein. In der hl. Messe feiern wir das, was den Sonntag zum Sonntag macht: die Erlösung vom Tod. In der hl. Messe wird das Kreuzesopfer Jesu für uns gegenwärtig und wirksam. Wirksam wird das hl. Messopfer vor allem darin, dass wir ins ewige Leben, zum ewigen Sonntag in Vollendung gelangen.
Es darf für uns Christen ohne schwerwiegenden Grund keinen Sonntag ohne hl. Messe geben. „Sie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“, wie das letzte Konzil lehrt.
Eine Wortgottesfeier kann die hl. Messe niemals ersetzen. Sie ist nur eine Notlösung für diejenigen, die absolut keine Möglichkeit finden, irgendwo an einer hl. Messe teilzunehmen.
Jesus betont im Sonntagsevangelium: „Der Sabbat ist für die Menschen da“.
Ja, wir dürfen fest glauben, dass die Einhaltung des Sonntagsgebotes uns viel Segen bringt.

Glaubenszeugnis im Allerseelenmonat November

Eltern zehren vom Schatz der katholischen Kirche. Wie Leid und Tod uns lehren können, den Weg, die Wahrheit und das Leben zu finden.

Eine laute, herzerweichende Wehklage würden wir am liebsten gegen den Himmel schmettern, wenn wir sehen, wie eine Mutter weint über ihr totes Kind, wie der Vater hilflos daneben steht. Kein Wort des Trostes ist brauchbar in diesem bitteren Leid.  Als Eltern wissen wir, dass es das eigene Kind sein könnte, und fühlen doppelt mit. Das Ehepaar Peter aus Wangen musste diesen schweren Weg gehen. Es begleitete die 12-jährige Tochter während eines Jahres auf der Reise in das ewige Leben.

Herr Peter erzählt: „15. April 2015: Die Diagnose der Uniklinik Ulm für unsere Tochter Valentina ist niederschmetternd: Hoch aggressiver Knochenkrebs, die Fünfjahresüberlebenschance beträgt 20%. Der Tumor frisst sich in ihr Becken und spaltet es bereits. Ab sofort werden Rollstuhl, Krücken und ein Schmerzmittelcocktail aus Morphium und anderen Substanzen Valentinas ständige Begleiter – und natürlich die regelmäßige Tortur der Chemotherapie.

09. April 2016: Der Tumor hat sich trotz harter Chemotherapie im ganzen Körper ausgebreitet und zuletzt die Lunge zerstört. Valentina stirbt wenige Wochen, nachdem sie noch fröhlich ihren 13. Geburtstag gefeiert hat. Sie wiegt noch 38 kg. Beim Abschied in der Kühlkammer der Uniklinik am nächsten Tag (ein Sonntag!) finden wir ein wunderschönes, befriedetes Kind vor – fast mit einem Lächeln auf den Lippen. Da wird uns klar, Valentina hat etwas gesehen, was wir noch nicht gesehen haben.“

Kinder und Tod gehören nicht zusammen – würde man meinen. Ein Kind ist eine Knospe im frischen, fröhlichen Sein. Wir Eltern blicken auf unseren Sprössling, voll Hoffnung auf ein gelungenes Leben. Wird diese Knospe welk, so widerspricht dies allen Regeln einer gelungenen Ehe und Familie. Ein absolutes No-Go. Doch es passiert. Und niemand kann etwas dagegen tun; machtlos steht man der Gewalt der Krankheit und des Todes gegenüber. Machtlos?

Herr Peter berichtet von der Phase der Krankheit: „Der Rückblick zeigt, wie stark Valentina in ihrem Leben und vor allem während ihres unfassbar schweren Leidenswegs vom Glauben getragen war. Trotz ihrer misslichen Lage war sie immer fröhlich, zuversichtlich, wollte kein Mitleid, freute sich über jeden schönen Tag und empfing sonntags regelmäßig die Krankenkommunion, wenn sie sich nicht selbst mit ihren Krücken in die Kirche schleppen konnte.

In Wigratzbad hatte sie ein halbes Jahr vor Ausbruch der Krankheit die Katholischen Pfadfinder Europas gefunden (oder – wurde sie gefunden?). Dort fühlte sie sich durch das gelebte katholische Fundament, das sie vorfand, von Anfang an zuhause und angenommen. Wenige Wochen vor ihrem Tod legte sie noch das Pfadfinderversprechen ab. Für sie war das der Höhepunkt ihres kurzen Lebens. Mehrmals empfing sie das Sakrament der Krankensalbung.“

Gute Ausbildung, Karriere, Erfolg wäre  unser Plan mit unseren Kindern. Aber: „Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und dadurch in den Himmel zu kommen“, so lehrt uns die Kirche. Wir Eltern verlangen unseren Kindern oft etwas völlig anderes ab und vergessen dabei, dass das wahre Leben erst dort beginnt, wo das wirkliche Zuhause ist.

„Eine Woche vor ihrem Tod hatte Valentina nur noch eine Frage: „Wie ist denn das, Herr Pfarrer, wenn ich jetzt in den Himmel komme, … da kenne ich doch niemanden?“ Pfarrer Schuhmacher zögerte eine Weile und sagte dann nach einer Eingebung des Heiligen Geistes: „Richtig, Valentina, aber alle kennen und erwarten Dich!“ Da war für Valentina alles gesagt, und sie konnte ihren Weg in Frieden zu Ende gehen.“

Abschied nehmen. Wenn uns ein Kind geboren wird, beten wir zu dessen Schutzengel, er möge es behüten und begleiten. Denken wir da daran, wo der Engel sein Zuhause hat? Ist uns bewusst, dass er sein ihm anvertrautes Kindlein vor allen Dingen wohlbehalten in die ewige Heimat bringen möchte?

„Am Sonntag nach Valentinas Tod beim Abschiedsgottesdienst in Wigratzbad singen die Pfadfinder, unterstützt von einigen Petrusbrüdern, mit unglaublicher Zartheit Valentinas Lieblingspsalm 91, 11-12: „Denn er hat seinen Engeln befohlen …“ in der achtstimmigen Fassung von Mendelssohn-Bartholdy. Valentina ist ganz präsent. Die Mutter schreibt in ihrem Brief für diesen Tag: Was gibt es mehr als ein vollendetes Leben, das seinen Weg zu Gott gefunden hat?

Pfarrer Schuhmacher erklärt in der Predigt auf dem Friedhof anhand von Valentinas Mutperlenkette, wie tapfer, fröhlich und treu im Glauben Valentina diesen schweren Weg gegangen ist. Und siehe, es ereignet sich ein Fest, wie wenn Ostern und Pfingsten zugleich stattfinden. Valentinas positive Präsenz ergreift alle ohne Ausnahme. Selbst der Wirt sagt nach dem anschließenden Mittagessen: „Ich dachte, ihr kommt gerade von einer Beerdigung? … Aber, das war doch ein großes Fest gerade!“ In Briefen von Teilnehmern stand: „… ich habe Auferstehung erlebt …“ Ein befreundeter Priester schrieb später: „Wenn ein Kind so heiligmäßig lebt und stirbt, dann ist das ein großer Schatz für die Kirche.“

Konsequent nach dem Schatz, Jesus Christus, suchen, das ist es, was wir unseren Kindern lehren sollen. Dann wird uns alles andere dazugegeben, dann sorgt Er vor.

„Etwa ein Jahr nach Valentinas Tod führt die Vorsehung auf dem Parkplatz von Wigratzbad zu einem Treffen mit Pater Bernhard Gerstle. Auf seine Einladung hin feiern wir in kleinem Kreis die erste Messe für Valentina. Valentina ist mitten unter uns. Anschließend frühstücken wir gemeinsam mit frischen Brötchen bei ihm am Tisch.“

Anstatt des Trostes und der Klagen zu bedürfen, geben diese Eltern Trost und Mahnung zugleich: Eine leidgeprüfte Familie lehrt die richtige Gangart, ein todgeweihtes Mädchen die rechte Einstellung, die wesentlichste Frage nach dem Sinn des Lebens wird beantwortet im Sterben eines Kindes.

Lassen wir es Herrn Peter selbst formulieren: „Mit dem Weg von Valentina haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir im Unglück Gott nicht anklagen brauchen. Gott macht keinen Tumor. Ein Tumor ist reine Natur (Biologie); wir können uns aber immer ganz darauf verlassen, dass wir nicht aus der Hand Gottes herausfallen können und alles seinen Sinn hat; Gott wartet auf unsere konstruktive, positive Antwort auf jedes Ereignis in unserem Leben, damit daraus ein Zeugnis entstehen kann. Die ständige Frage an jeden von uns lautet: Gilt Sein Wort nur an sonnigen Sonntagen, oder immer und jederzeit und in jeder Situation in unserem Leben. Es lohnt sich, darüber schon in guten Zeiten nachzudenken, dann können wir alle vom großen Schatz der Katholischen Kirche profitieren und jederzeit Zeugnis ablegen für Seine Größe und Güte.“

Wann ist ein Leben gelungen, wann ein Tod sinnvoll? Kann der Tod eines Kindes überhaupt Sinn machen? All diese Fragen werden im November, dem Monat der Armen Seelen, unsere Herzen noch mehr aufwühlen als sonst. Gott gehört das Leben, jedes Kind ist Sein Kind, eine Leihgabe an die Eltern. Familie Peter hat eine konstruktive, positive Antwort darauf gegeben.

 

Stiftung Valentina

Familie Peter gründete im Juni 2016 eine Stiftung mit dem Ziel, schwerst- und sterbenskranken Kindern und deren Familien zu helfen. Gleichzeitig startet an der Uniklinik Ulm ein mobiles Kinderpalliativteam, damit sterbenskranke Kinder ihren letzten Lebensabschnitt medizinisch voll versorgt nicht mehr wie Valentina in der Klinik, sondern zu Hause im Kreise ihrer Lieben verbringen können.

Binnen kurzer Zeit kann die Stiftung mithilfe vieler Freunde und Förderer die Finanzierung von Fahrzeugen, Teilzeitpersonal, Schmerzmittelpumpen u.v.m. für die Arbeit dieses Teams bereitstellen. Eine wunderbare Konstellation, die von der Kraft und Lebensfreude Valentinas getragen ist: www.stiftungvalentina.de

Quelle: „Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus“, November 2018

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