Passionszeit – Tempus Passionis

Passionszeit – Tempus Passionis

Die Passionszeit führt zum Höhepunkt des Kirchenjahres und geleitet uns durch das Mysterium des Kreuzes zum Licht der Auferstehung: Per crucem ad lucem. Nun liegt das Augenmerk nicht mehr so sehr auf der Buße, sondern vielmehr auf dem Leiden Christi, der uns um den Preis seines Kostbaren Blutes erlöst hat. Äußeres Merkmal der Passionszeit sind die verhüllten Kreuze. Historisch gesehen reicht dieser Brauch in eine Zeit zurück, in der es noch nicht üblich war, den Heiland leidend am Kreuz darzustellen. Vielmehr wurde die ‚crux gemmata‘ (= das mit edelsteinen gezierte Kreuz) als Sieges Zeichen geehrt, so dass gerade durch die Verhüllung der Aspekt des Leidens in den Vordergrund trat. Selbst wenn heute Christus oft leidend dargestellt ist, sollte doch der Blick auf das Kreuz uns stets auch an seinen Sieg erinnern. Was nun will uns heute das verhüllte Kreuz sagen? -Den Schleier kann man als Ausdruck der Trauer der Kirche um ihren göttlichen Bräutigam (Mt 9, 15) deuten. -Es möchte uns einladen, Jesus neu zu entdecken, der sich in der Passion verbirgt, damit wir ihn suchen (vgl. Is 45, 15 und 55, 6), um ihm nahe zu sein. Darauf, dass Jesus sich verbirgt, weist auch der letzte Satz des Evangeliums vom Ersten Passionssonntag hin (Joh 8, 59). -Gerade in dieser Zeit ist uns das Bild des Gekreuzigten entzogen, damit uns bewusst wird, dass wir uns an seinen Anblick niemals gewöhnen dürfen. Am Karfreitag soll er auch in unserem Herzen gleichsam enthüllt werden, damit wir ihn mit neuen Augen schauen. -Im Leben begegnen uns die meisten Kreuze verhüllt. Es sind dies genau jene Dinge, die mühsam sind, über die man sich gerne ärgern möchte oder derentwegen man ungeduldig wird. Christsein bedeutet aber, nicht nur beim Kreuz, sondern auch zum Kreuz zu stehen. Deshalb sagt Jesus: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9, 23) Auch die Altarbilder sind gewöhnlich von heute an bis zum Glória der Osternacht verhüllt.

 

Quelle: Volksmissale von Pater Martin Ramm FSSP

Wir danken Pater Martin Ramm von der Petrusbruderschaft, dass er uns seinen Text zur Veröffentlichen zur Verfügung stellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.