Bischof Konrad über Kirche, Politik, Fußball – und seinen Ruhestand


23.05.2019


Bischof Konrad äußert sich zu kirchlichen und gesellschaftspolitischen Themen und erzählt von seinen Plänen für den Ruhestand. (Foto: Bernd Müller / pba)

Augsburg (KNA) Am 7. Juni feiert Bischof Dr. Konrad Zdarsa seinen 75. Geburtstag. Laut Kirchenrecht müssen Bischöfe dem Papst zu diesem Datum ihren Rücktritt anbieten. Aus diesem Anlass hat Bischof Konrad der Katholischen Nachrichten-Agentur ein Interview gegeben. Er spricht über seinen bevorstehenden Umzug, einen „Etikettenschwindel“ und die Rolle der Kirche in unserer Gesellschaft.

Herr Bischof, neun Jahre waren Sie Bischof von Augsburg. Nun wollen Sie die Diözese dem Vernehmen nach verlassen. Warum?

Ich werde nach Dresden ziehen, eine Wohnung habe ich dort schon. Ich stamme ja aus Sachsen, und in Dresden empfing ich meine Priesterweihe. Das ist die Landschaft, die ich kenne, dort bin ich aufgewachsen und sozialisiert. Außerdem möchte ich meinem Nachfolger in Augsburg nicht hineinreden.

Während Ihrer Augsburger Zeit wurden Sie gerade auch von den regionalen Medien öfter kritisiert. Sie seien zu schweigsam, zu wenig präsent. Hat Sie das getroffen?

Wenn Medien einen persönlich brandmarken und mit anonymen Stimmen gegen einen hantieren – das verletzt schon. Man wäre ja ein Holzklotz, wenn einen das unberührt ließe.

Aber im Vergleich zu anderen Bischöfen haben Sie sich ja tatsächlich selten zu Wort gemeldet.

Ich habe meinen Mitbrüdern mal ein Moratorium für öffentliche Stellungnahmen vorgeschlagen. Und sie gebeten, in ihren Äußerungen wenigstens nur von sich zu sprechen, nicht von „wir“, „den Bischöfen“ oder „der Kirche“. Ich möchte mich von den Äußerungen mancher Mitbrüder nicht vereinnahmen lassen, weil ich zu manchen Dingen eine dezidiert andere Meinung habe. Dieses undisziplinierte Daherreden ist eines der größten Probleme. Medienkritisch muss ich sagen, dass Funk und Presse oft auch allzu sehr ihr Interesse auf solche Stimmen richten. Was ich in den Predigten sage, wird allerdings kaum zu Kenntnis genommen. Und dort sehe ich meine Hauptverantwortung.

Sie verabschieden sich in einer für die Kirche spannenden Zeit. So haben Sie und Ihre Mitbrüder im März einen „synodalen Weg“ zur Erneuerung beschlossen. Wie soll der aussehen?

Dieses Wort vom „synodalen Weg“ weise ich weit von mir. Vom griechischen Wortsinn her ist das eine Tautologie, das ist Unsinn. Ich halte das auch für einen Etikettenschwindel.

Warum? Sie haben die Entscheidung ja mitgetragen.

Nein, ich habe mich bei der Abstimmung darüber, die leider nur per Handzeichen vorgenommen wurde, sichtbar der Stimme enthalten.

Ebenfalls aktuell ist die Debatte um Kirchensteuer und sogenannte Staatsleistungen.

Staatsleistungen sind grundsätzlich etwas anders als die Kirchensteuer. Beide haben gänzlich verschiedene geschichtliche Voraussetzungen. Viele Ablösungen von Staatsleistungen sind bereits geschehen, was im Konkreten gar nicht so einfach ist, weil dabei Staat und Kirchen kooperieren müssen. Die Kirchensteuer dagegen entspricht dem allgemeinen für die gesamte Weltkirche geltenden Kirchenrecht, wonach jeder, der zur Kirche gehört, seinen Beitrag für die Belange der Kirche leisten soll.

Auch das Thema Abtreibung steht in der Diskussion. Was sagen Sie zum Gerangel um den Paragrafen 219a?

Der unbedingte Schutz des Lebens, für den Christen stehen, wird in unserer Gesellschaft immer schwieriger. Wer sich heute gegen Abtreibung oder auch Sterbehilfe einsetzt, wird freiheitsfeindlich geschimpft. Daher begrüße ich Aktionen wie den Berliner Marsch für das Leben. Ich nähme daran teil, wenn es terminlich ginge.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat jüngst beschlossen, von Bonn nach Berlin umzuziehen. Sollte die Deutsche Bischofskonferenz folgen?

Was ich dazu zu sagen habe, habe ich bereits in einem Interview mit der „Lausitzer Rundschau“ im Jahr 2014 gesagt.Ich habe dem auch heute nichts hinzuzufügen. Es verwundert mich nur, dass jetzt auch das ZdK mit diesem Gedanken spielt und ich nach fünf Jahren wieder danach gefragt werde.

Im Osten stehen Landtagswahlen an. Umfragen sagen Erfolge für die AfD voraus. Wie blicken Sie darauf?

Da kann einem durchaus bange sein. Man sollte aber darauf vertrauen, dass die gesunden Kräfte nicht die schwächsten werden. Es gab ja schon manche politische Bewegungen, die sich dann verloren haben. Warten wir also ab.

Welche Rolle sollte die Kirche in dieser Lage übernehmen?

Sie sollte informieren, sich dem Gespräch stellen, mit Glaube und Vernunft den eigenen Standpunkt bezeugen, aber sich auch immer wieder neu besinnen, um nicht selbst einfachen Antworten zum Opfer zu fallen. In diesem Zusammenhang halte ich eine klare Sprache für wichtig, denn mit der Sprache fängt alles an. Wir brauchen umfassende Informationen, keine Ideologien und schon gar keine „Political Correctness“.

In Deutschland insgesamt schwindet die Bindekraft der Kirche. Macht Sie das pessimistisch?

Keineswegs. Die Kirche wird sich gewiss verändern, aber ich sage nicht „verändern müssen“, wie manche sagen. Das klingt nämlich so, als wüsste man schon ganz genau, wohin die Reise geht, wie die Kirche künftig aussehen muss und dass bloß noch ein paar Ewiggestrige am Alten festhalten. Das habe ich erst am vergangenen Sonntag wieder in der Predigt gesagt.

Themenwechsel. Sie sind FC-Bayern-Fan …

Ich bin kein Fan, das kommt ja von Fanatiker. Ich bin … Faszinierter. Dass da beispielsweise für einen Spieler Millionen hingelegt werden, sehe ich schon weitaus kritischer. Aber am Stil der Bayern habe ich schon meine Freude. Außerdem habe ich da noch einen anderen Trumpf: RB Leipzig.

Wollen Sie mit Fußball Ihren Ruhestand füllen?

Oh nein, da hat Dresden schon noch etwas mehr zu bieten. Ich habe mich aber bei dem zuständigen Pfarrer gemeldet und ihm erklärt, dass ich gern jeden Tag die heilige Messe feiern möchte und auch bereit bin, im Maße des Möglichen priesterliche Dienste zu übernehmen.

Das Interview führte Christopher Beschnitt (KNA).

Quelle: Homepage der Diözese Augsburg

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