17. So im Jahreskreis, Lesejahr C, 2019

Meine lieben Gläubigen!

 Schnell – Imbisse, Mikrowellen und Sekundenkleber, Schnellkopftopf. Und wenn die hastig geschlürfte 5 Minuten Terrine einen Flecken auf dem Anzug verursacht, wird der sofort entfernt in einer Schnellreinigung im Stundentakt.

 Atemlos hetzen wir durch den Tag, schlagen die Zeit tot wie einen Feind. Der Fluch der Eile lässt unsere Seele verkümmern. Wir bräuchten ein Tempolimit für unser Leben.

 Ein amerikanischer Schriftsteller, der Vater der spöttischen Erkenntnis hat einmal gesagt:” Als die Menschen das Ziel aus den Augen verloren haben, verdoppelten sie ihre Anstrengungen.” Er meint damit Menschen, die auf der Jagd nach dem Leben sind. Aber in Wahrheit sind sie  nicht die Jäger, sondern die Gejagten.

Und da hinein – in diese schnelllebige Zeit – wird uns heute das Gebet ans Herz gelegt, Wie oft hört man es: Ich habe keine Zeit zum Beten. Beten ist Zeitverschwendung.  Oder: Beten hilft ja doch nicht, ich habe gebetet und es hat nichts genützt. Es ist alles ganz anders gekommen.  

Beten bringt nicht viel.  Oder : Es ist doch alles vorprogrammiert. Es kommt doch so, wie es kommen soll. Da änderst du gar nichts dran. 

Oder : ich habe gebetet und dann ist alles ganz anders gekommen. Oder : Beten muss man dem Zufall überlassen, je nach Stimmung oder je nach Not und Bedürfnis.

Dieser Tage las ich: Die religiöse Geschichte Deutschlands kann man so schreiben: Wenn die Menschen aufhören zu beten, aufhören mit Gott zu sprechen, dann reden sie nur noch über Gott. 

Dann diskutiert man über ihn und setzt sich mit der Gottesfrage auseinander. Und je mehr man über ihn redet, um so mehr ist der Faden und die Lebensbrücke zu ihm durchbrochen. 

Es dauert nicht mehr lange, bis man auch nicht mehr über ihn spricht, sondern in einer mehr oder weniger atheistischen Weise zur Tagesordnung übergeht. 

In Deutschland, sagt der Theologe, sind die Menschen so entsetzlich unter sich, denn dieses Land hat aufgehört, ein betendes Land zu sein. Darum sind die Herzen so voller Egoismus, und der Segen beginnt zu weichen. Wenn wir aber die Gemeinschaft mit Gott verlieren, zerfallen wir auch untereinander. Die Hand, die wir zur Arbeit gebrauchen, muss auch eine Hand des Gebetes sein, sonst verdorrt sie.” Rudern mit zwei Rudern

Deswegen bleibt, Brüder und Schwestern, das Gebet so wichtig und entscheidend. Wir wollen uns wieder fest ansprechen lassen, von dem, wie Jesus uns beten lehrt.

Auf der ganzen Welt gibt es keinen Religionsgründer, der uns ein herrliches Gebet hinterlassen hätte wie Christus, unser Herr. Das Gebet muss von ihm sein.

Das sollten wir jetzt einmal ganz tief in uns hineinlassen, daß Jesus Christus uns das Vater unser beten gelehrt hat. Er ist es, von dem dieses heilige Gebet der Christenheit stammt, das Gebet mit seinen sieben Bitten. Diese sieben Bitten gleichen sieben Fenstern. Wir sehen von verschiedenen Standpunkten aus eine gewaltige Einheit und unser Blick wird frei auf das Jenseits und das Diesseits.

 Das heißt: Überaus eindringlich wird uns die Botschaft vermittelt: Gott kann und will nicht ohne den Menschen, will nicht ohne seine Schöpfung gesucht, geliebt und geehrt werden.

Was da auffällt, ist schon der Anfang: Jesus sagt nicht: Ihr sollt Gott so ansprechen: Allgewaltiger, ferner, unendlicher Gott, nein, er sagt: “Vater unser  im Himmel.” Das heißt doch: Jesus betet mit. 

Sein Vater ist auch unser Vater. Und Jesus fordert uns auf, weil wir einen Vater haben im Himmel, dass wir erst einmal von unseren Ansprüchen, von uns selber wegblicken und darauf bedacht sind, was der Vater möchte: dass sein Name geheiligt werde, dass sein Reich komme, dass sein Wille geschehe.

 Und diese Sätze sind eine Bitte an den Menschen. Konjunktiv…. es möge geschehen. Das heißt dann können wir unsere Anliegen vorbringen. Und diese Anliegen stehen im Imperativ, in der Befehlsform Wie oft wird das missachtet. Wenn die Reihenfolge des Bittgebetes so eingehalten wird, so macht uns Jesus klar, kannst du anklopfen und du klopfst dir die Finger nicht wund, dir wird aufgetan. 

Der Vater wird nie dem Sohn etwas Falsches geben. Der Vater lässt keine Sekunde das Thema unseres Lebens aus seinen Augen. Er macht nie etwas Sinnloses. Er weiß immer, wie er es machen muss, damit er nicht unter unseren Lebensaufsatz drunterschreiben muss: Thema verfehlt. 

Die entscheidende Gabe des Vaters, die er schenkt, ist der Heilige Geist. Diese Bitte wird immer erhört. Der Geist macht den Menschen fähig, richtig zu beten, richtig zu handeln, sinnvoller zu leben. Wer den Heiligen Geist in sich hat, der hadert nicht mit Gott. Der sieht: hinter allen menschlich untragbaren und unlösbaren Problemen gibt es einen Vater, der uns nicht hängen lässt, am den alles vorbei muss.

 Mögen die dunklen Gewalten alles auf die Spitze treiben, alles wird vom väterlichen Blick geprüft und zensiert, ob es taugt, ob es denen, die ihn lieben, wirklich zum Besten gereicht. Auch Furien menschlicher Grausamkeit können den Vater im Himmel nicht austricksen, können ihm kein Schnippchenschlagen. Gott erlaubt sich keinen Fehler. 

Die Fehler machen wir und er bügelt sie aus!

Merken Sie, wie kostbar es ist, den Heiligen Geist als Gabe geschenkt zu bekommen, wenn wir darum bitten? Du verstehst den Herrn und Vater viel besser. Die heilige Edith Stein sagt es so:” Lass blind mich, Herr die Wege gehn, bin ja dein Kind.” Das ist um mit Euch Burgern Pilgern zu sprechen, der Sinn des Lebens. Amen

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